10. März 2019

Heimat: “Ein Nachmittag in der Manhattan Bar”

Ein neuer Projektraum für Karlsruhe: die Manhattan Bar

Fast alles flog raus, der Name und die alte Motiv-Tapete hinter der Theke sind geblieben: Die Skyline von Manhattan ziert noch immer die Wand, zahlreiche Lichter brennen in den Wolkenkratzern, erhellen das Grau des Himmels. Ansonsten weht frischer Wind in der ehemaligen Bar in der Amalienstraße 53. Statt müder, gelangweilter Stammgäste sind dort nun vor allem Studierende der Hochschule für Gestaltung (HfG) anzutreffen. Gemeinsam organisieren sie Veranstaltungen – Konzerte, Lesungen und freie Formate.

Weiterlesen »
keine Kommentare
24. Februar 2019

Schmöker: “Der Trafikant” von Robert Seethaler

Ein Juwel in Buchform

Fast wäre „Der Trafikant“ in meinem Bücherchaos untergegangen. Bereits vor Jahren hatte ich ihn gekauft, auf meinen Stapel an ungelesenen Werken gelegt – und vergessen. Immer wieder kam ihm ein anderer Roman zuvor, verdrängte ihn. „Der Trafikant“ rutschte tief, tiefer und verschwand nahezu, bis ihn seine Verfilmung im vergangenen Jahr schlagartig in mein Gedächtnis zurückbrachte.

Zum Glück.

Innerhalb weniger Tage habe ich das Buch mit dem minimalistischen Cover nun gelesen, Satz für Satz aufgesaugt. „Der Trafikant“ ist voll mit wunderbaren Beschreibungen, Witz und einer Leichtigkeit der Sprache, die der Grausamkeit der Geschehnisse kurz vor dem Zweiten Weltkrieg diametral gegenübersteht – und dadurch erst recht eine Intensität entwickelt. Der Roman erfasste mich mit voller Wucht. Er ist ein funkelnder Juwel in Buchform.

Weiterlesen »
keine Kommentare
11. Februar 2019

Kurioses: “Pendeln”

Abenteuer Alltag

Bei mir bleibt gerade viel Zeit auf der Strecke. Ich pendle. Mein neuer Job macht es erforderlich. 140 Kilometer fahre ich nun täglich mit dem ICE, von montags bis freitags. Schon nach sechs Wochen weiß ich: Langweilig wird das nicht. Der Zug ist voll mit kuriosen Gestalten und Geschichten. Mein Alltag ist zu einem kleinen Abenteuer geworden.

Danke, Deutsche Bahn!

Bereits mein erster Arbeitstag am 2. Januar begann äußerst holprig. Ja, es knirschte und kratzte gewaltig. Wer schon mal einen neuen Job angetreten ist, weiß: Am ersten Tag möchte man unbedingt pünktlich sein, einen guten Eindruck machen. Fit sein, nicht etwa noch zerstört von Silvester mit Restalkohol und Fahne im Büro aufkreuzen, mit roten Äderchen in den Augen und abstehenden Haaren, weil man zu spät dran war und alles drunter und drüber ging.

Nein.

Weiterlesen »
2 Kommentare
6. Februar 2019

Heimat: “Ein Morgen mit Craig Judkins im Electric Eel”

Das ist Craig. (Foto: Sebastian Heck)

Ein fester Anker am Werderplatz: das Electric Eel

Sonntagmorgen. Die Kaffeemaschine läuft gerade auf Hochtouren, als ich im Electric Eel ankomme. Es klackt und brummt leise. Auf dem Plattenspieler dreht eine Vinylscheibe ihre Runden, entspannte Musik summt aus den Lautsprechern. Besitzer Craig Judkins steht gutgelaunt hinter der Theke, eine schwarze Wollmütze bändigt seine graumelierten Haare. „Alles gut bei dir?“, fragt er mich auf Englisch. Ich nicke und setze mich.

Vor etwa 2,5 Jahren eröffnete der gebürtige Amerikaner die Bar am Werderplatz. Wo einst bemalte Fliesen und Vintagemöbel dem Vorgänger Bento eine gemütliche, aber auch raue Atmosphäre gaben, zogen stilvolle Möbel ein – in warmen Braun- und Goldtönen. Die handgeschriebene Getränkeliste an der Wand verschwand, eine mehrseitige Karte mit außergewöhnlichen Drinks liegt nun auf dem Tisch. Darauf zu finden: hausgemachte Limonaden mit Rosmarin oder Blaubeeren, Espresso Tonic, Craft Beer und Cocktails mit Namen wie Roses are free. Die Veränderung war enorm, die Skepsis vor allem bei Bento-Stammgästen zunächst groß. Sie hat sich aber inzwischen gelegt. Das Electric Eel ist fest am Werderplatz etabliert.

(Fotos 2: Sebastian Heck)
Weiterlesen »
keine Kommentare
19. Januar 2019

Flimmerkasten: “Roma”

Ein wunderbarer Film: “Roma”

Wie eine Meereswelle, die am Ende ihrer Reise am Strand aufschlägt, schwappt das Putzwasser über den Plattenboden in der Hofeinfahrt. Mit Schwung und Dynamik platscht es vor und zurück, der Schaum schlägt kleine und große Blasen. In der Spiegelung des klaren Wassers taucht plötzlich ein Flugzeug auf, es zieht am Horizont seine Bahnen.

Bereits die ersten Minuten von „Roma“ sind voller Ästhetik. In Schwarz-Weiß-Bildern erzählt der mexikanische Regisseur Alfonso Cuarón, der für „Gravity“ bereits einen Oscar erhielt, die Geschichte des Kindermädchens, mit dem er aufwuchs – in Roma, einem Stadtteil von Mexico-City in den 1970er-Jahren. „Für Libo“ steht im Abspann, im Film heißt die tapfere und liebevolle Frau Cleo.

Weiterlesen »
keine Kommentare
30. Dezember 2018

Heimat: “Ein Morgen mit Robert Loos”

Willkommen im Wahrnehmungstornado!

Ein kurzer Druck auf den Sprühknopf der Dose genügt, schon schießt blitzschnell Farbe aus dem Ventil. Mit Kraft, aber fein wie Nebel, treffen die Pigmente auf die Leinwand, erzählen auf der weißen Fläche ihre ganz eigene Geschichte – für sich alleine und im Zusammenspiel mit weiteren Komponenten.

Die Sprühdose. Sie begleitet Robert Loos, seit er die Malerei für sich entdeckt hat. „Sie ist mein roter Faden, alles andere sind Begleiter“, erzählt er mir an diesem Sonntagmorgen, als ich ihm in seinem Wohnzimmer gegenübersitze. Trubelig ist es dort. Ein Filmteam der Hochschule Karlsruhe ist ebenfalls da. „Können sie unser Interview aufnehmen?“, hatte Robert mich gefragt. Klar, warum nicht. So sitzen wir nun da, er eine Kippe in der Hand, seine Kaffeetasse hat er mit einem Wasserglas auf ein braunes Holztablett gestellt, neben meinem Kopf surrt die Kamera, los geht es.

Credit für alle kommenden Fotos: Robert Loos
Weiterlesen »
1 Kommentar
23. Dezember 2018

Kurioses: “Markus”

Eine Airbnb-Unterkunft des Grauens

Markus. Bislang hatte ich keine bestimmte Assoziation mit diesem Namen, verband keine einzelne, ausgewählte Person damit. Es gibt mehrere Männer, die so heißen und mein Leben in den vergangenen Jahrzehnten gestreift haben, einer ist blond, der andere braunhaarig, ein weiterer ist bereits ergraut. Wenn ich den Namen also hörte, tauchte eine illustre Mischung aus allen Drei in meinem Kopf auf. Die Größe des Einen, vermischt mit dem Stil des Anderen, kombiniert mit dem Kopf des Dritten, so in etwa.

Dieser kunterbunte Mix hat sich seit meinem Zürich-Aufenthalt verabschiedet. Wenn ich nun Markus höre, schrillen bei mir alle Alarmglocken. Ein sehr spezifischer Herr blitzt in Sekundenschnelle vor meinen Augen auf, sehr deutlich sehe ich ihn vor mir: Das spitze Gesicht, die grauen, langen und dünnen Haare zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Geheimratsecken treffen auf Dreitage-Bart, ausgelatschte Fila-Schuhe auf speckiges Hemd, ein Dosenbier: sein steter Begleiter.

Dieser neue Stereotyp bietet in guter Zürich-Lage seine Wohnung bei Airbnb an. Das ist ja an sich noch nicht außergewöhnlich. Wie er das tut, aber schon.

Weiterlesen »
2 Kommentare
22. November 2018

Heimat: “Ein Nachmittag im Leihladen Karlsruhe”

„leih.lokal“ + „Frei_Räume“ Karlsruhe: sharing is caring

Es nieselt und ist ungemütlich, als ich an diesem Herbsttag mein Fahrrad an der Hauswand der Gerwigstraße 41 abstelle. Durch das Schaufenster sehe ich in einem hellen Raum einen Mann an einem Laptop sitzen. Ein knallrotes Bobbycar hängt an einem silbernen Fleischerhaken an der Wand – in einer Reihe mit einem schnittigen Snowboard und einem weißen Ventilator. Seit Anfang Oktober befindet sich in der ehemaligen Metzgerei Bässler ein Leihladen, den die Bürgerstiftung Karlsruhe ins Leben gerufen hat. Außerhalb der Öffnungszeiten können die Räume außerdem von Vereinen und Ehrenamtlichen kostenlos gemietet werden. Für Konzerte, Lesungen oder zu gemeinsamen Kochevents in der großen Küche. Ich möchte mehr über das Konzept dieses Share-Economy-Projekts wissen und trete ein.

Weiterlesen »

keine Kommentare
1. November 2018

Heimat: Ein Abend im mold-Projektraum”

Das sind Sebastian, Verena, Alexander und Aleschija (von links)

mold: ein Projektraum in der Karlsruher Südstadt

Eine Hundeskulptur steht mitten im mold-Projektraum. Ihr Kopf: ein Stapel aus Hemden, aus hell- und dunkelblauen, aus weißen und schwarzen. Egal wo ich hinschaue, es ist bunt in dem Atelier in der Augartenstraße 6. Farbdosen warten in Regalen auf ihren Einsatz, Kartons sind vollgestopft mit Pappe und Papier, großformatige Fotografien hängen gerahmt an der Wand. Von der letzten Ausstellung sind außerdem noch Halterungen zu entdecken, an denen Stoffbahnen befestigt waren, die die Wahrnehmung des Raums veränderten.

Als ich an diesem Herbstabend den Raum betrete, stehen die mold-Künstler gerade zusammen und tauschen sich aus – mit einer Chipstüte in der Hand, Johannisbeersaftschorle und Bier. „Schön, dass du da bist“, begrüßt mich Aleschija Seibt herzlich und stellt mich den anderen vor: Alexander Blum, Sebastian Wiemer und Verena Wippenbeck. Die fünfte Künstlerin des Kollektivs, Nina Laaf, hat an diesem Abend keine Zeit. Weiterlesen »

keine Kommentare
28. Oktober 2018

Heimat: Ein Nachmittag im Waffelwerk Karlsruhe”

Leider eine Enttäuschung: das Waffelwerk Karlsruhe

Waffeln. Jedes Mal, wenn ich in Berlin bin, muss ich in ein Kauf-dich-glücklich-Café, um mich damit in einen tranceähnlichen Zustand zu essen – egal ob herzhaft mit Lachs oder süß mit Kirschen und Vanilleeis. Ich liebe Waffeln. Schmerzlich habe ich deshalb in Karlsruhe bislang ein Café vermisst, wo es ein entsprechendes Angebot gibt. Nun entdeckte ich endlich in der Bürgerstraße einen neuen Laden: das Waffelwerk. Dort wo früher der italienische Imbiss “Il Gusto” war, gegenüber vom Krokokeller, soll es nun lecker duftende Waffeln in den verschiedensten Variationen geben. Mit Soßen, Früchten und Schokokram.

Hervorragend. Perfekt für verregnete Sonntage.

Mit Freundinnen bin ich dort nun gelandet. Die Enttäuschung ist groß.

Weiterlesen »

keine Kommentare
1 2 3 4 5 15

Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

Newsletter abonnieren

Etwas verloren?
Vergangenes
Facebook
Instagram
Instagram@miriam_steinbach