21. Oktober 2018

Fernweh: Illustres Island, Teil 2 – von Elfen und Fjorden, der Osten

Werd ich zum Augenblicke sagen:
Verweile doch! Du bist so schön!

WOW!

Lavafelder, Gletscher, Fjorde. Die Autofahrt auf der Ringstraße vom Süden in den Osten Islands ist ein Spektakel. Stopp. Stopp. Stopp. Wir müssen sofort anhalten! Sofort. Immer wieder fällt an diesem fünften Tag dieser Satz. Es hat tatsächlich etwas Paradiesisches, als an diesem Sommerabend die Sonne langsam untergeht und die Berge und Seen in den wärmsten, herrlichsten Farben strahlen. Ein ganz besonderer Anblick.

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18. Oktober 2018

Melodien: “Ein Abend mit Joe Astray”

Das ist Joe. Credit für alle Fotos: Melancholie Maritim

Eine unerwartete Begegnung mit Joe Astray

Manchmal schließt sich der Kreis an der Bar. Im Iuno in der Südstadt, an einem Freitagabend, viele Wochen zurück. Ein fremder Herr sitzt neben mir, die Kapuze seines schwarzen Pullis hat er über seinen Kopf gezogen, markant schimmert sein Bart im schummrigen Licht, es ist bereits nach 24 Uhr. Er komme von einem Konzert nebenan im Kohi, beginnt er zu erzählen.

Wir trinken ein Getränk, dann das nächste. Irgendwann macht es klick. Erinnungsfetzen fügen sich zusammen, bilden einen klaren Gedanken. Neben mir sitzt Joe Astray. Über den Sänger und seine Band „Lucky Ginger“ hatte ich meinen allerersten Artikel zu Beginn meines Volontariats in der Kulturredaktion einer Tageszeitung geschrieben. Ein längeres Telefonat zwischen ihm und mir: die Basis für diesen Text. Gesehen haben wir uns nie, nur die Stimme, sie hatte ich schon mal gehört. Nun endlich, eine persönliche Begegnung, zufällig, unerwartet.

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6. Oktober 2018

Schmöker: “Unterwegs” von Jack Kerouac

Unterwegs mit Sex, Drugs ’n’ Jazz – ein literarischer Roadtrip

Jack Kerouac hat mich fertig gemacht. In einem berauschenden Tempo sauste ich in “Unterwegs” mit seinem Protagonisten Sal Paradise durch die USA – von Denver nach San Francisco, nach New Orleans oder nach Mexico. Meist per Anhalter, manchmal auch auf Güterzügen oder mit geklauten Autos. Kritzelte immer wieder mit Bleistift die Namen der Personen und Routen ins Buch, um den Überblick zu behalten, machte Knicke in die Seiten mit besonders schönen Sätzen.

Nun halte ich ein Buch in der Hand, das durch diesen Prozess selbst seine Form verändert hat. „Unterwegs“ oder „On the road“ wie es im Original heißt, ist so unendlich voll gepackt mit Poesie und wunderbaren Worten. Es gibt deshalb kaum noch eine Seite in meinem Buch, die in ihrer ursprünglichen Gestalt erhalten blieb.

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29. September 2018

Kurioses: “Klassentreffen”

Paris, damals.

Das Karma unterstützt

Am Ende stehe ich da mit Diebesgut in der Hand. Mit einem silbernen Kerzenständer mit abgebrannter Kerze, einem ockerfarbenen Steinkrug und einer Jackentasche voll mit bunten Bonbons. Und um mich herum eine kleine Gruppe mit Herren, die mir all diesen Krempel in die Hand gedrückt haben. Es ist ihre Art der Wiedergutmachung für die unfreundliche Bedienung im italienischen Restaurant, in dem wir an diesem Abend gegessen haben. Ihre Unterstützung des Karmas sozusagen.

Nun suchen wir nochmals den Weg zum Marktplatz. Die letzten Besucher des Weinmarktes dort sind bereits verschwunden, die Buden alle dicht und verriegelt. Zwei Fläschchen Wein haben wir aber noch abgestaubt. Der Regen prasselt auf uns nieder, plitschplatschnass stehen wir da, aber so spät nach Mitternacht stört das keinen mehr – gedanklich reise ich zurück in die Zeit, als wir noch zur Schule gingen und Schabernack an der Tagesordnung stand

15 Jahre Abitur. Weiterlesen »

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22. September 2018

Heimat: “Literaturtage Karlsruhe 2018 – ein Abend mit Matthias Walz”

Credit: privat

Lesungen an der ungewöhnlichsten Orten

Unsere Zeit ist knapp. 45 Minuten bleiben Matthias Walz und mir, um an diesem sonnigen Spätsommerabend zu plaudern – am Gutenbergplatz, umgeben vom Plätschern des Brunnens und munteren Gesprächen an den Nebentischen.

Seit Jahren kreuzen sich die Wege von Matthias und mir immer wieder, eine feste Konstante unserer Begegnungen: die Literaturtage Karlsruhe. Bereits zum sechsten Mal finden sie unter dem Motto „Literatur offensiv“ in der Fächerstadt statt – veranstaltet von der Literarischen Gesellschaft mit Unterstützung des Kulturbüros Karlsruhe. Matthias Walz kümmert sich um die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Literarischen Gesellschaft – und federführend um die Organisation der Literaturtage. Insgesamt 40 Veranstaltungen an 30 verschiedenen Orten stehen in diesem Jahr an – verteilt über zwei Wochen. Die Locations, an denen Vertreter der Karlsruher Literaturszene lesen, sind bunt gemischt: vom Fahrstuhl der Hochschule für Gestaltung über das Kohi bis hin zum Weingartener Moor.

„Welche Veranstaltungen könnten mir gefallen?“, lautet eine meiner ersten Fragen. Matthias Walz überlegt kurz, dann beginnt er zu erzählen. Weiterlesen »

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19. September 2018

Heimat: “Ein Tag mit ,Die Anstoß’ auf dem Kronenplatz”

Foto: Sebastian Heck

Ein Festival rund um die Elefantenhalle!

Ein riesiger Elefant steht mitten auf dem Kronenplatz unter der eisernen Markthallenüberdachung. Er funkelt silbern, zieht alle Blicke auf sich, erträgt den Trubel und die Handy-Blitze um sich herum mit stoischer Ruhe. Das Tier besteht aus Milchkarton, 15.000 Tackerklammern halten 250 Einzelteile zusammen. Insgesamt ist er 3,38 Meter hoch, 3,05 Meter breit und 4,59 Meter lang.

Die Idee zu diesem imposanten Elefanten hatte Andreas Holldörfer vom Verein “Die Anstoß”. Er skizzierte den Entwurf und baute den Elefanten gemeinsam mit weiteren “Die-Anstoß”-Mitgliedern innerhalb von zwei Wochen in seiner Wohnung im Industriegebiet zusammen – in jeder freien Sekunde am Feierabend und am Wochenende. Es war ein Experiment. “Der Kopf passte am Ende nicht durch den Hausflur, wir mussten ihn aus dem Fenster abseilen”, erzählt er mir. In 15 verschiedenen Einzelstücken kam der Elefant schließlich zum Kronenplatz. “Erst als wir ihn unter der Markthallenüberdachung zusammenbauten, sah ich, dass mein Plan überhaupt funktioniert”, sagt Andreas. Die Erleichterung war groß.

Foto: Irma Cakalli

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15. September 2018

Fernweh: Illustres Island – Teil 1, der Süden

Beamen wäre auch okay!

Es gab bislang wenige Momente in meinem Leben, in denen ich das Gefühl hatte, dass nur noch beten hilft. Auf dem Weg nach Mjóifjörður, einem abgelegenen Fjord im Osten von Island, ist aber nur ein einziger Gedanke in meinem Kopf: Wenn es irgendwo da draußen eine übermächtige Kraft gibt, wäre es supernett, wenn sie uns ohne Katastrophen wieder zur Unterkunft bringt. Supernett, wirklich. Beamen wäre auch okay.

Schon die Beschreibung im Reiseführer hätte uns eigentlich stutzig machen sollen: „Die ungeteerte Straße verlangt einem normalen Pkw einiges ab. Aber wer sich durchkämpft, dem eröffnet sich ein Blick auf üppig grüne Berge mit faszinierenden Ruinen und auf Schwärme von Zuchtfischen im eisigen Fjordwasser.“ Wale sind dort auch zu entdecken, heißt es einige Sätze weiter.

Super, denke ich zunächst an diesem Morgen, unserem siebten Tag in Island.

Wale. Und grüne Berge.

Das wird schon passen mit der ungeteerten Straße. Wir haben ja extra eine Auto-Zusatzversicherung gegen Steinschlag abgeschlossen.

Los gehts.

Dass wir uns mit dem kleinen Peugeot eine halbe Stunde später im dichtesten Nebel auf einer unbefestigten und einspurigen Serpentinenstraße einen Berg zunächst hinauf, dann hinunter kämpfen müssen, nein, damit rechnen wir nicht. Der Abgrund nun neben uns: nicht mal einen Meter entfernt. Etwa 25 Kilometer liegen vor uns – nur die gelb leuchtenden Pfosten am Rand geben uns Orientierung. Umdrehen: einfach nicht möglich. Ein Adrenalinschub jagt den nächsten.

Aber erstmal zurück zu Tag 1 – und alles in der richtigen Reihenfolge. Weiterlesen »

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4. September 2018

Heimat: “Der Herbst”

Herbstkind!

Der Herbst ist da. Die Tage werden kürzer, es windet und zieht an allen Ecken, das Grau wird mehr.

Müsste ich meinem bisherigen Leben eine Jahreszeit zuordnen, würde ich mich für den Herbst entscheiden. Stürmische Tage, ich kenne sie, die großen, sperrigen Äste, die vor mich fielen, mir den Weg versperrten und die es zu überwinden viel Kraft kosteten.

Anstrengung und Geduld.

Der Herbst ist da. Die Blätter verfärben sich und leuchten in den schönsten Farben – goldene Sonnenstrahlen fallen darauf.

Der Herbst hat mein Leben bunt gemacht, zauberte aus grauen Regentropfen farbenfrohe Kleckse.

Farbklecks 1: Wie Stromberg in Finsdorf

Schwarzwald statt Baden-Baden. Wäre nach meinem Volontariat alles nach Plan verlaufen, wäre nicht über Nacht ein Sturm ausgebrochen, wäre ich nie in dieser einen Redaktion im Schwarzwald gelandet. Aber das Leben hat seinen eigenen Sinn, macht was es will. Kurzfristige Änderung. Statt Kulturartikel in Baden-Baden schrieb ich plötzlich Vereins- und Feuerwehrtexte – in Akkordarbeit,unschuldig verbrachte ich 14 Monate lang in einem Straflager für Gedanken und Worte. Sibirien. Eiszeit. Mit der Schwarzwald-Bahn fuhr ich von A nach B – und verbrachte viel Zeit auf der Strecke. Ich dachte oft an Stromberg in Finsdorf. Weiterlesen »

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26. August 2018

Heimat: “Ein Abend beim Badischen Kunstverein”

Fotocredit (alle): Badischer Kunstverein

Was entsteht in Karlsruhe?

Zwei japanische Schriftzeichen und ein Halbkreis – in roter Farbe gedruckt auf rosa Papier. Mehr brauchte es nicht für das 31. Cover des Slanted-Magazins, für eine Ausgabe über Tokio. „Eines unserer schönsten Cover“, erzählt Julia Kahl vom Redaktionsteam bei ihrer Präsentation beim Badischen Kunstverein. Slanted entsteht in einem Büro in der Karlsruher Südstadt. Die Print-Ausgabe des Designmagazins ist deshalb eines von mehr als 100 Objekten, die anlässlich der „Ausstellung 49° – Kulturelle Produktion in Karlsruhe“ noch bis zum 16. September in den Räumen des Badischen Kunstvereins (Waldstraße 3) zu sehen sind.

Happy Birthday!

Der Badische Kunstverein feiert in diesem Jahr seinen 200. Geburtstag. „Wir haben deshalb eine umfangreiche Ausstellung mit passendem Rahmenprogramm ins Leben gerufen“, erzählt mir Lisa Welzel von der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, als sie mich an diesem Sommerabend durch die Ausstellung führt. Das heißt: In mehreren Räumen des Badischen Kunstvereins sind die Ergebnisse der kulturellen Produktion in Karlsruhe zu sehen. Es gibt außerdem jeden Mittwoch Veranstaltungen und in den Badischen Neuesten Nachrichten sind Porträts von 40 Künstlern aus Karlsruhe und der Region nachzulesen. Weiterlesen »

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18. August 2018

Kurioses: “JGA”

Ist denn schon Fasching?

Es war an einem heißen Sommerabend mitten in der Stadt, kurz vor Mitternacht. Ich saß mit einer Freundin vor einer Bar, wir plauderten, nippten an unserem kühlen Getränk, als eine Gruppe mit quirligen Damen an uns vorbeizog. Ich sah zunächst nur kurz hin, dann aber nochmals. Die Irritation war groß. Jede Einzelne hatte einen Fascinator auf dem Kopf, also so ein komisches Schmuck-Ding, was ich normalerweise nur im Fernsehen sehe, wenn Nachrichten aus dem britischen Königshaus auf dem Bildschirm flimmern oder ich auf Hochzeiten rumschwirre, bei denen der Dresscode „très chic“ lautet.

Meine Irritation verstärkte sich, als mein Blick an den Damen von oben nach unten wanderte – und ich sah, dass ihre restlichen Outfits völlig konträr zu den scheinbar edlen Kopfverzierungen waren. Sehr kurze und enge Shorts, gewöhnliche Shirts, Sektflaschen in der Hand und naja, die Frisuren waren auch schon ein wenig aus der Form geraten. Ich stupste meine Freundin an und fragte: „Was ist denn da los? Ist denn schon Fasching?” Sie sah zu der Gruppe, schüttelte den Kopf und sagte nur: „Junggesellinnenabschied.“ Weiterlesen »

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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