2. März 2020

Heimat: Ein Nachmittag mit Vicky von “Mari Moosplaneten”

Das sind die Moosplaneten. Credit: Mari Moosplaneten

“Mari Moosplaneten” öffnet in Karlsruhe

Er hat wenige Ansprüche und ist pflegeleicht: Fat Fred ist ein umgänglicher Zimmergenosse. Nur gelegentlich benötigt er etwas zu trinken und ein wenig Licht. Auch das Alleinsein macht ihm nichts aus. Bis zu drei Wochen lange speichert er Wasser in seinen Blättern – und das, obwohl er am liebsten in der Sonne chillt. „Fred war unsere allererste Kreation“, erzählt mir Vicky von Mari Moosplaneten, als ich sie am Wochenende in ihrem Laden in der Karlsruher Südweststadt besuche.

Das ist Fred. Credit: Mari Moosplaneten
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22. Februar 2020

Schmöker: “Oh, Simone” von Julia Korbik

„Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es.“

An diesen Satz von Simone de Beauvoir musste ich vor wenigen Tagen denken, als ich auf einen Stapel Kindermagazine für Mädchen blickte. Überall blitzte und blinkte es in Rosa. Kleine Glitzer-Accessoires waren dabei und ein Zauberstab von Bibi Blockberg – natürlich auch in Pink. Die Ausgaben für Jungs waren dagegen fast schon düster. Die Cover: verstärkt in Braun- und Dunkelgrüntönen gehalten. Als Gimmicks gab es Lego- und Playmobilfiguren oder eine Detektiv-Lupe.

Als ich meinen Blick darüber schweifen ließ, spürte ich, wie mein Unverständnis wuchs. „Das gibt es doch einfach nicht“, hämmerte es in meinem Kopf. Wie plakativ können selbst heute noch Unterschiede für Mädchen und Jungen sein. Warum gibt es solche geschlechtsspezifischen Magazine überhaupt noch? Spielen nicht auch kleine Damen gerne mit Lego oder erkunden mit Lupen die Welt? Und was ist mit den Jungs, die auf Rosa stehen? Sind sie dann Außenseiter?

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15. Februar 2020

Flimmerkasten: “Little Women”

“Little Women”: Greta Gerwigs neuester Film

„Machen Sie es kurz und pikant. Und wenn die Hauptfigur eine Frau ist, sollte sie am Ende verheiratet sein.“ Als Nachwuchsschriftstellerin Jo March dem Verleger in seinem Büro gegenübersitzt, ihm ihre Geschichte anbietet, macht er ihr klar, was die Menschen im 19. Jahrhundert lesen wollen: Eine romantische Liebesgeschichte, die ihre Erfüllung in der Ehe findet. Ende gut, alles gut. Oder?!

Nicht ganz. Für die widerspenstige Jo ist das völlig unverständlich. Sie selbst strebt nach einem freien Leben – ohne Abhängigkeit von einem Mann.

Jo steht im Mittelpunkt von „Little Women“, dem neuesten Film von Greta Gerwig. Von ihr bin ich seit „Frances Ha großer Fan. Neben Lena Dunham ist sie für mich eine Lichtgestalt in der künstlichen Hollywood-Blase – starke Frauen mit kritischen Gedanken und interessanten Projekten.

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8. Februar 2020

Fernweh: “Limoncello in Limone am Gardasee”

Ein Ausflug nach Limone

Das Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt, kam mir nachts um 4 Uhr. Es war ein kalter Februartag, dick eingepackt lag ich in meinem Bett, nur das matte Laternenlicht von der Straße fiel in mein dunkles Zimmer. Wo ist dieser Bahnhof in Limone? In meinem Kopf ratterte es. Ich tastete nach meinem Handy auf dem Nachttisch, deaktivierte den Schlafmodus, setzte meine Brille auf und schrieb meiner Freundin eine Nachricht: „Wir müssen unsere Zugverbindung nochmals checken, ich habe ein ganz komisches Gefühl – wirklich, ein ganz komisches.“

Pool, Pizza und Pasta

Die Schnapsidee, eine Woche lang als Profi-Touris am Gardasee zu chillen, war uns zu später Stunde beim Abendessen in einem italienischen Restaurant gekommen. „Lass uns irgendwo hinfahren, wo es gemütlich ist“, hatte ich zu meiner Freundin gesagt. “Cose della vita”. Eros Ramazzotti trällerte im Hintergrund seine Schnulzen, ließ unser Kopfkino anspringen. Gemeinsam überlegten wir: Wie wäre ein entspannter Urlaub in Norditalien. Ohne Partys. Einfach nur Pool, Pizza und Pasta?

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26. Januar 2020

Heimat: “Ein Nachmittag mit Ida Grosse”

Ida Grosse mixt Schönes mit Magie

Sie sitzt mit roten Haaren auf dem Boden und legt Tarot-Karten. Heilsteine fliegen um sie herum. Sympathisch sieht sie aus, keineswegs gruselig, auch der Hintergrund ist rosa. „Es ist eine moderne Version einer Hexe“, erklärt mir Illustratorin Ida Grosse, die diese Figur erschaffen hat. Der Anlass für ihre Kreation: Die Karlsruherin arbeitet gerade an einem umfangreichen Lexikon über die mystischen Wesen.

Ob die russische Baba Jaga, die japanische Yamauba oder die rumänische Bratara Buzea: „Für mich haben sie alle etwas Magisches“, erklärt die 29-Jährige und zeigt mir ein weißes Blatt, auf dem sie die verschiedenen Hexen-Varianten mit schwarzem Stift gezeichnet hat. Die Skizze der modernen Version hat sie bereits abfotografiert, auf ihren Laptop übertragen und mit Photoshop bearbeitet. Das Ergebnis ist auf ihrer Homepage zu sehen.

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18. Januar 2020

Schmöker: “I love Dick” von Chris Kraus

“I love Dick”: einfach nur anstrengend

Bereits nach fünf Seiten kam ich ins Zweifeln. Das soll das „wichtigste Buch über Frauen und Männer im 20. Jahrhundert sein“ (The Guardian)?! Und „mitreißend schön“ (Der Spiegel)?! Ich war irritiert. Denn von der ersten Seite an fehlte mir bei „I love Dick“ jegliches Gefühl. Vielmehr liest sich der Roman von Chris Kraus konstruiert und schwerfällig. Die Liebe in „I love Dick“ verkommt zur Performance. Jede Handlung der verkopften Protagonistin ist durchdacht. Die Sätze sind absolut nüchtern geschrieben, an keiner einzigen Stelle war ich berührt. Freude beim Lesen? Fehlanzeige. Auf Seite 161 von 292 resignierte ich und gab den literarischen Kampf auf.

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8. Januar 2020

Heimat: “Ein Mittag mit Maurice Moel”

Das ist Maurice Moel.

Maurice Moel umreiste die Welt mit der Schreibmaschine

Maurice Moel lag gemütlich in einer Hängematte auf dem Schiffsdeck, als er den Amazonas überquerte. Tagelang tuckerte er mit dem Dampfer über das Wasser – umrahmt von einer dicht bewachsenen Dschungellandschaft. Moskitos schwirrten nachts um den Reisenden, fanden jedoch keinen Weg durch das Netz, das ihn sicher schützte.

Der Poet war zu diesem Zeitpunkt völlig frei. Kein Smartphone, mit dem er Kontakt zu seiner Familie nach Deutschland halten konnte, kein Bankkonto, auf dem sein Geld lag. Alles, was er besaß, hatte er bei sich, gut verstaut in einem großen Rucksack, auf den er immer gut aufpasste.

Fünf Jahre ist die Amazonasüberquerung nun her – es ist nur ein Ausschnitt aus Maurice Moels siebenjähriger Weltumrundung. „Es war eine faszinierende Erfahrung“, erzählt mir der heute 35-Jährige, als wir uns vor wenigen Tagen in einem Café in der Karlsruher Südweststadt treffen. Mit seinem schwarzen Hut sticht er sofort aus der Masse heraus, ein geflochtenes, buntes Band ziert seinen schmalen Arm, über sein blaues T-Shirt hat er eine locker sitzende Weste mit Kapuze gezogen. Maurice Moel ist ein Weltenbummler, der ein wenig zart sowie zerbrechlich aussieht – als hätte er viel erlebt.

Seit drei Monaten ist er nun zurück in der Fächerstadt, unter anderem um sein Buch zu promoten, das im Brot & Kunst Verlag erschienen ist. „typewrite the world: episode eins“ heißt es und ist eine Dokumentation seines Trips. Am 13. Januar liest Maurice Moel im Kulturraum Kohi in der Südstadt daraus vor. Einlass ist um 19.30 Uhr.

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5. Januar 2020

Schmöker: “Der Report der Magd” von Margaret Atwood

“Der Report der Magd”: Willkommen in der religiösen Diktatur

Keine Jeans, kein Make-up, keine Partys: In Nordamerika haben religiöse Fundamentalisten die Macht übernommen und den totalitären Staat Gilead errichtet. Es herrscht dort ein Leben der Entbehrungen. Vor allem für Frauen, die nach einer Atom-Katastrophe zum größten Teil unfruchtbar sind. Die wenigen Damen, die noch Kinder auf die Welt bringen können, werden den verschiedenen Führungskräften zugeteilt. Ihre einzige Funktion: als Gebärmaschinen aktiv sein. Erfüllen sie ihre Aufgabe nicht, droht ihnen die Kolonie – ein Ort, wo sie verseuchten Müll sortieren müssen und nur noch auf den Tod warten können.

Desfred ist eine dieser sogenannten Mägde. Sie ist die Erzählerin des dystopischen Romans „Der Report der Magd“ von Margaret Atwood oder „The handmade’s tale“ wie er im Original heißt. Obwohl die Amerikanerin das Werk bereits in den 1980er-Jahren schrieb, hat es an Aktualität keineswegs eingebüßt. Im Gegenteil. Zu was ist der Mensch fähig? Die Autorin zeigt die dunkelsten Abgründe. George Orwell lässt grüßen.

2017 hat Margaret Atwood für ihr Kultbuch den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels bekommen. Auch eine TV-Serie mit mehreren Staffeln gibt es inzwischen.

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29. Dezember 2019

Heimat: “Der Antrag”

Warum der Mann nicht alles tun muss!

Es war ein wunderbarer Tag im Spätsommer. Die ersten roten und braunen Blätter lösten sich von den Bäumen, schwebten durch die Luft und landeten sanft auf dem Asphalt, als ich mit meiner Freundin spazieren war. Es war eine friedliche Stimmung, ihre drei Monate alte kleine Tochter schlummerte im Kinderwagen, wir plauderten über das Leben, über all das Gute und Anstrengende, als meine Freundin plötzlich sagte: „Weißt du was: Ich möchte so gerne heiraten, aber er fragt mich einfach nicht.“

Irritiert schaute ich sie an. „Dann frag’ du ihn doch“, meinte ich, ernsthaft, ohne Ironie. Ihr Blick: erschrocken. „Nein, nein, nein“, entgegnete sie mir. In diesem Punkt sei sie altmodisch. Das müsse der Mann tun.

Ich blieb stehen, es schüttelte mich. Ernsthaft?

Emanzipation: ade!

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15. Dezember 2019

Heimat: “Ein Morgen in der Kulturküche Karlsruhe”

Die Kulturküche Karlsruhe. Die Bilder sind alle von Arthur Leon.

Kulturküche Karlsruhe: Neuer Treffpunkt in der “Alten Seilerei”

Die leeren Flaschen sind alle eingesammelt, der Boden geputzt und weihnachtliche Kränze aus Tannennadeln finden nun ihren Platz auf den Tischen: Als ich am Sonntagmorgen zum ersten Mal die Kulturküche betrete, wuseln dort überall Helfer umher. Ihre Mission: Die letzten Reste einer 18. Geburtstagssause zu beseitigen, bevor es am nächsten Tag endlich offiziell losgehen kann – mit dem vielseitigen Bürgerprojekt in der Alten Seilerei in der Kaiserstraße 47.

Hinter dem Projekt steht das Lokale Bildungsnetzwerk Karlsruhe, kurz lobin. Gemeinsam mit vielen Unterstützern hat es mit der Kulturküche einen neuen Begegnungsort mitten in Karlsruhe geschaffen, direkt gegenüber dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT). „Wir möchten in diesen stürmischen Zeiten den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken“, erklärt mir Doris Traudt, die mich an diesem Morgen empfängt und mich durch das denkmalgeschützte und verwinkelte Haus führt. Sie kümmert sich um das Marketing und die Öffentlichkeitsarbeit bei der Kulturküche.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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