22. April 2019

Heimat: “Ein Morgen mit Michele bei Pizza & Gusto”

Die leckerste Pizzeria in Karlsruhe: Pizza & Gusto

Dass Michele ausgerechnet in Karlsruhe seine Pizzeria eröffnete, ist einem Autobahnschild zu verdanken. Mit seiner Frau Cinzia war er von der italienischen Stadt La Spezia Richtung Norden gestartet, um einen Ort zu finden, an dem sie sich selbstständig machen können. „Wir wollten spontan entscheiden, welche Stadt es sein soll“, erinnert er sich. Als sie noch in der Schweiz auf Straßen unterwegs waren, ringsherum Berge um sich hatten, tauchte plötzlich eine Abfahrt auf, die zu den Städten „Basel und Karlsruhe“ führte.

Karlsruhe. „Lass uns dorthin fahren“, sagte seine Frau. Michele nickte, steuerte den Wagen dorthin. Mehr als fünf Jahre sind seither vergangen, die Fächerstadt gefiel ihnen. Sie eröffneten ihr Restaurant „Pizza & Gusto“ zuerst in der Bürgerstraße, zogen vergangenes Jahr in eine neue Location nur wenige Meter weiter: in die Amalienstraße 14a. Ihr Plan ging auf: Ob einzelne Stückchen zum Mitnehmen oder eine individuell zubereitete Pizza mit frischen Zutaten – Micheles Kreationen sind bei vielen Karlsruhern beliebt.

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13. April 2019

Fernweh: “Valencia”

Sechs Tage alleine in Valencia

Valencia. Zutiefest verwirrt komme ich in der spanischen Stadt an, klar sortiert verlasse ich sie wieder. Nur wenige Wochen vor dieser Reise bin ich in einen neuen Job gestartet, voller Freude, Energie und Tatendrang. Die Ernüchterung kommt schnell. Innerhalb kürzester Zeit weiß ich: Dort kann ich nicht bleiben, auf gar keinen Fall. Nur: Was dann?

In meinem Kopf schlagen zu dieser Zeit die Gedanken Purzelbäume. Wo möchte ich mich bewerben? Wie stelle ich mir meine Zukunft überhaupt vor? Soll ich nochmals in eine andere Stadt?

Schnell wird mir klar: Ich muss für eine Woche raus, alleine sein, in Ruhe nachdenken und die ersten Bewerbungen schreiben. Aber was für eine Stadt passt gut für dieses Bedürfnisse? Wo gibt es Meer, schöne Cafés, Museen und ein buntes Angebot zur Zerstreuung?

Da fällt mir ein: Eine Freundin war kurze Zeit davor in Valencia, hatte mir Fotos geschickt, von Orangenbäumen, vom Meer, von einem strahlend blauen Himmel. Über Airbnb finde ich bei einem Herrn namens Alex ein schönes WG-Zimmer, ein Schnäppchen für 18 Euro die Nacht, von Frankfurt aus geht wenige Tage später ein Flug. Ich buche, packe meinen Koffer – und ziehe los.

Es war die perfekte Entscheidung, die sechs Tage alleine in Valencia haben mein Leben wieder in die richtige Bahn gelenkt – auch dank der Bekanntschaft eines illustren Herrn. Aber alles der Reihe nach.

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1. April 2019

Schmöker: “Unschuld” von Jonathan Franzen

Eine wilde Geschichte: “Unschuld” von Jonathan Franzen

Ein Whistleblower, sozialisiert im DDR-Regime, traumatisiert, neurotisch. Frauen mit Vaterkomplex, die verloren durch die Welt tapsen: “Unschuld” von Jonathan Franzen ist ein Aufeinandertreffen von pathologischen Persönlichkeiten. Eine Figur, deren Psyche einigermaßen in Balance ist, suchte ich in diesem Buch vergeblich.

Gleichwohl: Ich habe „Unschuld“ gerne gelesen. Es ist voller Spannung, zeigt interessante Einblicke in die DDR, in die USA und die Welt der Hacker. Jonathan Franzen ist ein großartiger Erzähler. Mit “Unschuld” ist ihm erneut eine imposante Gesellschaftsstudie gelungen – voll mit differenzierten Persönlichkeitsanalysen. Die Sätze prägnant, weise, sein Stil gerade, ohne platt zu sein. Der Amerikaner schafft Literatur, die mich jedes Mal wieder von Neuem bereichert, unterhält und mich zum Nachdenken anregt. Nur: An die Vorgänger “Die Korrekturen” und “Freiheit” kommt “Unschuld” nicht heran.

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23. März 2019

Kurioses: “Gerd”

Chaosmagnetin & Katastrophensammlerin

In meinem Leben regiert das Chaos. Kleinere und größere Katastrophen schauen gerne mal bei mir vorbei. Ich habe mich damit abgefunden. Meine Erfahrung ist: Abnormalitäten nach außen zu vertuschen, bringt nix. Im Gegenteil: Es macht alles nur noch schlimmer. Offenheit ist deshalb die beste Devise. Meine Freunde betrachten meinen turbulenten Alltag inzwischen mit Humor. “Bei dir ist halt immer was los”, sagen sie.

In meinem Flur steht deshalb nun ein Letterboard mit besonderer Botschaft, also so eine Tafel, auf der sich Buchstaben wild zusammenstecken lassen. Es ist ein Geschenk, das mir meine beste Freundin zu Weihnachten überreichte. „Du kannst damit Worte und Sätze bunt mixen – deiner Fantasie sind keine Grenzen gesetzt“, sagte sie zu mir.

Toll.

Ich überlegte kurz, zog aus der Buchstabentüte zuerst ein “W” heraus, dann ein “C”, ein “I” folgte. Am Ende stand da: „Welcome To Crazy Island“. Mit diesem Schriftzug landete das Board auf der Kommode neben der Eingangstür, wo es jeder Gast sehr schnell sehen kann. Eine kleine Warnung zur Begrüßung sozusagen.

Irritation!

Als vor geraumer Zeit ein netter Herr zum ersten Mal in meine Wohnung kam, sie genauer inspizierte, blieb sein Blick auf dieser Tafel haften. “Welcome To Crazy Island – was soll das bedeuten?”, fragte er mich. Fragezeichen tanzten in seinen Augen, kleine Runzelfalten bildeten sich auf seiner Stirn. Ich entgegnete mit einem sanften Lächeln: „Warte ab, die Zeit wird es dir zeigen.“ Seine Stirn kräuselte sich noch mehr, die Fragezeichen in den Augen verdoppelten sich. Ansonsten behielt er die Fassung. “Okay”, entgegnete er freundlich. “Dann bin ich gespannt.”

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17. März 2019

Illustres Island – der Norden, Snæfellsnes & Reykjavik

Tungulending Guesthouse: mit Blick aufs Meer

Das Schöne ist oft nicht einfach zu finden. Versteckt im Niemandsland, abseits der Zivilisation und abgeschottet von der Ringstraße liegt das „Tungulending Guesthouse“. Es ist die schönste Unterkunft während unserer gesamten Island-Reise. Um zu ihr zu kommen, müssen wir aber erneut eine Abenteuerfahrt auf einer Schotterpiste hinter uns bringen – zig Kilometer lang holpern wir in unserem kleinen Flitzer über die schwarzen Kieselsteine, die durch den Druck der Reifen aufwirbeln und wie wild gegen den Lack schlagen. 30 Kilometer pro Stunde ist das Limit. Ausgerenkte Körperteile finden durch das Schütteln und Rütteln wieder ihren Platz. Physiotherapie mal anders. In meinem Kopf tanzt nur ein Gedanke: ein Hoch auf unsere Gravel-Protection.

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10. März 2019

Heimat: “Ein Nachmittag in der Manhattan Bar”

Ein neuer Projektraum für Karlsruhe: die Manhattan Bar

Fast alles flog raus, der Name und die alte Motiv-Tapete hinter der Theke sind geblieben: Die Skyline von Manhattan ziert noch immer die Wand, zahlreiche Lichter brennen in den Wolkenkratzern, erhellen das Grau des Himmels. Ansonsten weht frischer Wind in der ehemaligen Bar in der Amalienstraße 53. Statt müder, gelangweilter Stammgäste sind dort nun vor allem Studierende der Hochschule für Gestaltung (HfG) anzutreffen. Gemeinsam organisieren sie Veranstaltungen – Konzerte, Lesungen und freie Formate.

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24. Februar 2019

Schmöker: “Der Trafikant” von Robert Seethaler

Ein Juwel in Buchform

Fast wäre „Der Trafikant“ in meinem Bücherchaos untergegangen. Bereits vor Jahren hatte ich ihn gekauft, auf meinen Stapel an ungelesenen Werken gelegt – und vergessen. Immer wieder kam ihm ein anderer Roman zuvor, verdrängte ihn. „Der Trafikant“ rutschte tief, tiefer und verschwand nahezu, bis ihn seine Verfilmung im vergangenen Jahr schlagartig in mein Gedächtnis zurückbrachte.

Zum Glück.

Innerhalb weniger Tage habe ich das Buch mit dem minimalistischen Cover nun gelesen, Satz für Satz aufgesaugt. „Der Trafikant“ ist voll mit wunderbaren Beschreibungen, Witz und einer Leichtigkeit der Sprache, die der Grausamkeit der Geschehnisse kurz vor dem Zweiten Weltkrieg diametral gegenübersteht – und dadurch erst recht eine Intensität entwickelt. Der Roman erfasste mich mit voller Wucht. Er ist ein funkelnder Juwel in Buchform.

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11. Februar 2019

Kurioses: “Pendeln”

Abenteuer Alltag

Bei mir bleibt gerade viel Zeit auf der Strecke. Ich pendle. Mein neuer Job macht es erforderlich. 140 Kilometer fahre ich nun täglich mit dem ICE, von montags bis freitags. Schon nach sechs Wochen weiß ich: Langweilig wird das nicht. Der Zug ist voll mit kuriosen Gestalten und Geschichten. Mein Alltag ist zu einem kleinen Abenteuer geworden.

Danke, Deutsche Bahn!

Bereits mein erster Arbeitstag am 2. Januar begann äußerst holprig. Ja, es knirschte und kratzte gewaltig. Wer schon mal einen neuen Job angetreten ist, weiß: Am ersten Tag möchte man unbedingt pünktlich sein, einen guten Eindruck machen. Fit sein, nicht etwa noch zerstört von Silvester mit Restalkohol und Fahne im Büro aufkreuzen, mit roten Äderchen in den Augen und abstehenden Haaren, weil man zu spät dran war und alles drunter und drüber ging.

Nein.

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6. Februar 2019

Heimat: “Ein Morgen mit Craig Judkins im Electric Eel”

Das ist Craig. (Foto: Sebastian Heck)

Ein fester Anker am Werderplatz: das Electric Eel

Sonntagmorgen. Die Kaffeemaschine läuft gerade auf Hochtouren, als ich im Electric Eel ankomme. Es klackt und brummt leise. Auf dem Plattenspieler dreht eine Vinylscheibe ihre Runden, entspannte Musik summt aus den Lautsprechern. Besitzer Craig Judkins steht gutgelaunt hinter der Theke, eine schwarze Wollmütze bändigt seine graumelierten Haare. „Alles gut bei dir?“, fragt er mich auf Englisch. Ich nicke und setze mich.

Vor etwa 2,5 Jahren eröffnete der gebürtige Amerikaner die Bar am Werderplatz. Wo einst bemalte Fliesen und Vintagemöbel dem Vorgänger Bento eine gemütliche, aber auch raue Atmosphäre gaben, zogen stilvolle Möbel ein – in warmen Braun- und Goldtönen. Die handgeschriebene Getränkeliste an der Wand verschwand, eine mehrseitige Karte mit außergewöhnlichen Drinks liegt nun auf dem Tisch. Darauf zu finden: hausgemachte Limonaden mit Rosmarin oder Blaubeeren, Espresso Tonic, Craft Beer und Cocktails mit Namen wie Roses are free. Die Veränderung war enorm, die Skepsis vor allem bei Bento-Stammgästen zunächst groß. Sie hat sich aber inzwischen gelegt. Das Electric Eel ist fest am Werderplatz etabliert.

(Fotos 2: Sebastian Heck)
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27. Januar 2019

Flimmerkasten: “Capernaum – Stadt der Hoffnung”

Herzreißend und voller Wucht: Capernaum – Stadt der Hoffnung

Es ist der schräge Kakerlaken-Mann aus dem Freizeitpark, der in „Capernaum – Stadt der Hoffnung“ einen minikurzen Moment lang für Humor sorgt. Der ältere Herr im rosa Ganzkörperkostüm setzt sich im Bus zu dem zwölfjährigen Zain, der verzweifelt und planlos raus aus Beirut möchte. Mutterseelenallein. Nur einen blauen Müllsack hat er bei sich, in den er sein Hab und Gut gestopft hat. Etwas zum Anziehen, ein paar Geldscheine, sonst nix. Seine Eltern prügelten ihn zuvor aus der Wohnruine, als er seine jüngere Schwester beschützen wollte. Der Kakerlaken-Mann zeigt Interesse an Zain, fragt ihn, wohin die Reise geht, erklärt ihm scherzhaft, er sei der Cousin von Spiderman. Zain spürt die Wärme und folgt dem Mann in den Freizeitpark voller bunter Lichter und Fahrgeschäfte.

Diese Leichtigkeit, sie ist eine kostbare Rarität in dem libanesischen Film, der für den Oscar 2019 als bester nicht-englisch-sprachiger Film nominiert ist. Ansonsten ist das Werk von Regisseurin Nadine Labaki tieftraurig. Denn selbst in dem trubeligen Freizeitpark trifft Zain schnell wieder auf Menschen, die schwer vom Schicksal gebeutelt sind. „Das Leben ist die Hölle“, sagt er gegen Ende des Films. Und man kann ihm, nach all dem was vorausging, nur zustimmen.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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