4. Mai 2022

Krimskrams: “Ein Nachmittag mit Rita Miskevych”

Rita Miskevych

Die ukrainische Künstlerin Rita Miskevych arbeitet in Ettlingen an ihren abstrakten und figurativen Malereien

Als am 24. Februar russische Soldaten in die Ukraine einmarschieren und Bomben vom Himmel fallen, erschüttert das auch die Welt von Künstlerin Rita Miskevych. Die Ukrainerin liest davon in ihrer Wohnung im Süden Deutschlands. „Zuerst verfiel ich in eine Schockstarre, dann begann ich meinen Freund*innen in Charkiw zu schreiben“, erzählt sie mir, als ich sie Ende April in ihrem Atelier in Ettlingen besuche.

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29. April 2022

Schmöker: „Butter“ von Asako Yuzuki

„Butter“ von Asako Yuzuki

„Butter“ von Asako Yuzuki: über die gesellschaftlichen Zwänge in Japan

Bereits nach wenigen Seiten muss ich beim Lesen des Buchs „Butter“ stoppen und mir einen Knick in die Seite machen. Was Autorin Asako Yuzuki schreibt, kann ich kaum glauben:

„Japanerinnen nehmen heute weniger Kalorien zu sich als unmittelbar nach dem Krieg.“

Bin ich bislang naiverweise davon ausgegangen, dass sich japanische Frauen gesünder ernähren beziehungsweise einen besseren Stoffwechsel haben und deshalb meist sehr schlank sind, belehrt mich der Roman nun eines Besseren.

Schnell wird mir durch „Butter“ klar: In der japanischen Gesellschaft herrscht ein immenser Druck auf Frauen. Protagonistin Rika erzählt zu Beginn der Geschichte, dass sie selbst nicht über 50 Kilogramm wiegen möchte – aus Angst, grobschlächtig zu wirken.

Ihre Strategie, um ihr Gewicht zu halten: Sie vermeidet es, abends etwas zu essen. Selbst wenn sie bei Freunden oder der Familie eingeladen ist, greift sie maximal zu Salat oder Suppe.

Die Konsequenzen sind vielseitig. Sogar Milchbauern müssen um ihre Existenz kämpfen, weil viele Japaner*innen aus Diätgründen auf Kohlenhydrate und Milchprodukte verzichten.

Als ich meinen japanischen Freund darauf anspreche, nickt er nur. Meine gerade gewonnenen Erkenntnisse sind ihm keineswegs neu. Dass ich mit meinen über 60 Kilogramm in seiner Heimat als dick gelte, wird mir nun bewusst.

Uff.

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19. April 2022

Krimskrams: Ein Abend mit Maximilian Zschiesche & Ben Rentz von “DIE SIPPE”

“DIE SIPPE”: Wiederaufnahme des performativen Theaterstücks im P8 in Karlsruhe

Als sich zu Beginn der Corona-Pandemie im April 2020 das alltägliche Leben schlagartig änderte, Treffen mit Freund*innen nur noch sehr eingeschränkt möglich waren, saß Maximilian Zschiesche in seinem Zimmer und überlegte: Wie kann ich unter diesen Umständen ein Theaterstück mit performativen Ansätzen realisieren?

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27. März 2022

Fernweh: “Mit dem Zug nach Venedig”

Venedig

Eine Reise nach Venedig während der Corona-Pandemie

Die ersten Stunden in Venedig fühlen sich an, als besuche ich Disneyland an einem Ruhetag. Um etwa 18.30 Uhr stoppt mein Zug am Bahnhof. Es ist ein Montagabend im September. Um zu meinem Airbnb-Zimmer nahe der Rialto-Brücke zu kommen, muss ich meinen Rollkoffer nun etwa 20 Minuten lang durch die kleinen Gassen und über die Brücken der malerischen Stadt ziehen. Es ist eine gespenstische Erfahrung.

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25. März 2022

Schmöker: “Die Anomalie” von Hervé Le Tellier

"Die Anomalie" von Hervé Le Tellier

Kritik: „Die Anomalie“ – ein wunderbares Buch, das Unterhaltung mit Philosophie verknüpft

Es ist ein großer Wirbelsturm, der die Boeing 787 am 10. März 2021 gehörig ins Schlingern bringt. Es wackelt heftig im Inneren, einer Frau fällt die Brille von der Nase, ein Gepäckfach öffnet sich. Die mehr als 200 Passagiere bekommen Todesangst. Manche fangen an zu beten, andere zu weinen. Holprig fliegt das Flugzeug weiter und kommt schließlich sicher in New York an. Alles scheint gut.

Doch dann taucht am 24. Juni das Flugzeug mit demselben Kapitän, der identischen Crew sowie den gleichen Reisenden am Himmel erneut auf. Die Boeing hat sich im Wirbelsturm quasi verdoppelt und landet nun drei Monate später nochmals. Eine zunächst unerklärliche Anomalie. Wie konnte das passieren und warum? Wissenschaftler*innen suchen darauf nun eine Antwort. Die Gesellschaft ist in Aufruhr, als sie davon erfährt. Ist das Leben etwa nur eine Simulation?

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14. März 2022

Kurioses: Autofrei

Mein Leben ohne Auto

Es war an einem Samstagnachmittag, als ich auf einem Parkplatz Abschied von meinem Auto nahm. Mit großer Vorfreude hatte ich zwei Tage vor meinem Geburtstag in einem Supermarkt einen Großeinkauf erledigt. Sektflaschen, Chips und Bierkästen waren bereits nach feinster Tetris-Technik im Kofferraum gestapelt.

Als ich erleichtert auf dem Fahrersitz Platz nahm, den Schlüssel umdrehte, ertönte aber statt eines harmonischen Brummens ein mysteriöses Geräusch. Eine Mischung aus Rattern, Knirschen und Kreischen. Ein Grrrrkrrkjrrrrkkkkrrrrjrrrrrrr. Es war ein Laut, bei dem ich sofort wusste: Es gibt ein Problem – und zwar ein großes.

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7. März 2022

Flimmerkasten: “Inventing Anna”

Kritik der Netflix-Serie “Inventing Anna”: eine Fake-Erbin treibt ihr Unwesen

In einer Tageszeitung las ich vor knapp drei Jahren das erste Mal von Anna Sorokin. Im Jahr 2019 stand sie in New York vor Gericht – eine Hochstaplerin aus Deutschland, die die High-Society hinter das Licht führte. Kopfschüttelnd überflog ich den Text und fragte mich, wie sie das genau schaffte.

Die großartige Netflix-Serie „Inventing Anna“ gibt darauf nun Antwort – also zumindest zu einem großen Teil. „Everything ist true. Except the parts, that are totally made up“ wird bei jeder der insgesamt neun Folgen im Vorspann eingeblendet. Was ist wahr, was nicht? Als ich mich im Internet auf Faktencheck begab, stellte ich fest, dass sich die Hauptpunkte der Handlung wohl tatsächlich so zugetragen haben, wie es in der Netflix-Serie zu sehen ist.

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25. Februar 2022

Schmöker: “Dunkelblum” von Eva Menasse

"Dunkelblum" von Eva Menasse

„Dunkelblum“ von Eva Menasse: ein anstrengender Bestseller

Eine Umfrage der „Zeit“ hat mich vor wenigen Wochen zu „Dunkelblum“ von Eva Menasse gebracht. Leser*innen der Wochenzeitung hatten den Roman der österreichischen Autorin auf Platz 1 der besten Bücher 2021 gewählt. Ich wurde neugierig. Bislang war „Dunkelblum“ nicht auf meiner Lese-Liste gestanden. Nun wollte ich aber unbedingt selbst wissen, was an diesem Buch so besonders ist.

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25. Februar 2022

Krimskrams: “Embrace”-Ausstellung im Badischen Kunstverein

Platform Embrace Badischer Kunstverein
Credit: Marta Bogdanska

Kerstin Möller und Karolina Sobel haben “Platform Embrace” gegründet

„Ihr seid nicht normal.“ Ein Nachbar rief diesen Satz aus seinem Fenster, als die deutsch-polnische Medienkünstlerin Karolina Sobel im Juni 2020 in einer Galerie in Warschau ihre erste Solo-Ausstellung „LEZBY“ veranstaltete. Ihre dort präsentierten Arbeiten waren eine Antwort auf die Ausstellung „Pedaly“ (Schwuchteln) von Karol Radziszewski aus dem Jahr 2005.

Das Besondere an „Pedaly“: Es war die erste Ausstellung in Polen, die öffentlich von einem schwulen Künstler veranstaltet wurde und das Thema Homosexualität in den Fokus stellte. 15 Jahre später, inmitten des Wahlkampfes des ultrakonservativen Präsidenten Andrzej Duda, fragte Karolina Sobel mit ihren Arbeiten: War seither genug Zeit, um eine queere Geschichte Polens zu schreiben und wo sind darin die weiblichen Positionen zu finden?

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24. Februar 2022

Schmöker: “Der Trafikant” von Robert Seethaler

Der Trafikant von Robert Seethaler

Ein Juwel in Buchform: “Der Trafikant” von Robert Seethaler

Fast wäre „Der Trafikant“ in meinem Bücherchaos untergegangen. Bereits vor Jahren hatte ich ihn gekauft, auf meinen Stapel an ungelesenen Werken gelegt – und vergessen. Immer wieder kam ihm ein anderer Roman zuvor, verdrängte ihn. „Der Trafikant“ rutschte tief, tiefer und verschwand nahezu, bis ihn seine Verfilmung im vergangenen Jahr schlagartig in mein Gedächtnis zurückbrachte.

Zum Glück.

Innerhalb weniger Tage habe ich das Buch mit dem minimalistischen Cover nun gelesen, Satz für Satz aufgesaugt. „Der Trafikant“ ist voll mit wunderbaren Beschreibungen, Witz und einer Leichtigkeit der Sprache, die der Grausamkeit der Geschehnisse kurz vor dem Zweiten Weltkrieg diametral gegenübersteht – und dadurch erst recht eine Intensität entwickelt. Der Roman erfasste mich mit voller Wucht. Er ist ein funkelnder Juwel in Buchform.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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