8. Januar 2017

Schmöker: “The Girls” von Emma Cline

Mehr als ein Psychothriller

Suzanne trägt ein schmutziges und äußert kurzes Kittelkleid, als Evi sie zum ersten Mal im Park sieht. Die Faszination ist sofort da. Als sich ihre Blicke treffen, die schwarzhaarige Suzanne lächelt, beginnt Evis Herz zu hüpfen, die Luft schichtet sich um. Es ist der Beginn einer Verbindung, die Evis eintöniges Leben in einen Strudel reißt – voller Sex, Drogen und Gewalt.

„The Girls“ spielt in Kalifornien im Jahr 1969. Im Mittelpunkt steht die 14-jährige Evi, die durch die wilde Suzanne schließlich in eine Hippie-Kommune gerät, deren Anführer Russell an Charles Manson erinnert. Er setzt minderjährige Mädchen unter Drogen, verleitet sie dazu, Morde zu begehen.

Allein diese Beschreibung hätte mich nicht dazu bewegt, „The Girls“ von Emma Cline zu lesen. Aber der Debütroman der Amerikanerin ist keineswegs ein stupider Psychothriller. Er ist vielmehr ein Psychogramm, das zeigt, was einen scheinbar gewöhnlichen Teenager dazu bringt, freiwillig die Nähe zu solch einer Sekte zu suchen – und dort auch bleibt. Außerdem ist „The Girls“ sprachlich eindrucksvoll. Weiterlesen »

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29. Dezember 2016

Kurioses: “Silvester”

Ach, Silvester!

Raclette, Raketen, Radau: Zu Silvester habe ich ein sehr gespaltenes Verhältnis. Wenn mich Menschen schon im November fragen: „Was machst du am 31. Dezember?“, beginne ich innerlich zu schreien. Äußerlich wahre ich meist noch die Fassung, lächele freundlich und äußere mich unentschlossen. „Mal schauen“, „entscheide ich spontan“ oder „keine Ahnung“ – das sind meine drei Standard-Antworten.

Ich finde, Silvester wird einfach maßlos überschätzt und überbewertet. Und es passiert überproportional viel Mist an diesem Tag. Also ich will damit sagen: Dass mich Silvester nervt, kommt nicht von ungefähr. Beispiele? Hier. Weiterlesen »

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28. Dezember 2016

Fernweh: “Abenteuerliches Athen – 6 Tage in Exarchia”


Ein Besuch in Exarchia

Streetart, verriegelte Häuser, viele Künstler und Studenten: Es war im Zuge der Flüchtlingskrise, als ich das erste Mal von Athens Stadtteil Exarchia hörte. Dort hatten Aktivsten aus der linken Szene Häuser besetzt und sie als Unterkünfte an geflüchtete Menschen übergeben. Was verbirgt sich hinter diesem Stadtteil, aus dem sich die Polizei weitgehend zurückgezogen hat, in dem sich Menschen aber gegenseitig helfen, eine eigene Gesundheitsversorgung aufgebaut haben und sich in Cafés zum Austausch treffen? In dem die Kultur boomt, viele Akademiker wohnen, aber auch Mülltonnen brennen und der Drogenhandel auf öffentlichen Plätzen stattfindet.

Ich wollte mir selbst ein Bild davon machen, fragte eine Freundin, ob sie mitkommen möchte – und sie sagte ja. Über Airbnb suchten wir uns dann Anfang November eine Unterkunft in Exarchia. Es war das Angebot von Romanos, das uns beiden sofort zusagte. Bunte Möbel, zentral und mit tollen Bewertungen. https://www.airbnb.de/rooms/905315

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27. Dezember 2016

Schmöker: “Meine geniale Freundin” von Elena Ferrante

Die Kritiker rasten aus

„So etwas haben Sie noch nie gelesen.“ Wenn der Guardian solche Sätze über ein Buch verliert, werde ich neugierig. Was steckt hinter soviel Lob? Auch zahlreiche andere Medien überschlugen sich mit positiven Kommentaren. „Die Zeit“ war sich sicher, dass der Romanzyklus über zwei Freundinnen in die Literaturgeschichte eingehen wird. Ich wollte es genauer wissen und lief sofort zur Buchhandlung, als im Herbst nun auch in Deutschland „Meine geniale Freundin“ von Elena Ferrante herauskam.

Nun bin ich ein wenig hin und hergerissen. Der erste Teil des insgesamt vierbändigen Romanzyklus ist äußerst interessant und macht Freude zu lesen, aber an die Superlativen mag ich mich trotzdem (noch) nicht anschließen. Weiterlesen »

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4. Dezember 2016

Heimat: “Ein Besuch im Pop Up Store Karlsruhe”

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Ein Pop Up Store für Karlsruhe!

Wo einst die Finanzgeschäfte einer Bank im Mittelpunkt standen, hat sich nun die Kunst breit gemacht. Auf 150 Quadratmetern reihen sich im Pop Up Store Karlsruhe in der Kaiserstraße 58-60 hübsche Dinge nahtlos aneinander. Mützen, Schmuck, Lampen, Taschen. „Wir haben hier Produkte von mehr als 40 verschiedenen Künstlern und Labels“, sagt Pien den Hengst. Sie entwarf gemeinsam mit Nadine Bers das Konzept für den Pop Up Store. Hinter dem temporären Laden, der noch bis 23. Dezember geöffnet hat, stehen das K³ Kultur-und Kreativwirtschaftsbüro und die Wirtschaftsförderung Karlsruhe – unterstützt vom Kulturamt, der Fächer GmbH und der Fettschmelze.

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Das ist Pien.

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3. Dezember 2016

Heimat: “Flow”

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Schöner Moment, bitte bleib!

An schöne Dinge würde ich mich gerne ketten. So fest, dass kein Millimeter Platz mehr ist, der Zustand bleibt, Stillstand herrscht. Da wünsche ich mir: Schöner Moment, bitte bleib.

Ein Sommer ohne Männer

Es gab einen Sommer, da rutschte ich in eine neue Mädchenclique. Wir waren alle zeitgleich ohne Beziehung, hatten frische und alte Narben, trösteten uns gegenseitig. Picknickten in der Sonne, erkundeten mit dem Fahrrad die Stadt, tanzten nächtelang durch Clubs. Wir hörten uns zu, waren für einander da, füllten unsere freie Zeit miteinander. Es war unser Sommer ohne Männer. Weiterlesen »

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26. November 2016

Flimmerkasten: “Paterson”

Eine Wohltat, dieser Film!

Busfahrer Paterson (Adam Driver) dichtet am liebsten am Wasserfall. Dort setzt er sich auf eine Bank, packt ein kleines Notizbuch aus seiner klobigen Tasche, zückt einen Stift und schreibt seine poetischen Gedanken nieder. Er denkt dabei an Laura (Golshifteh Farahani), seine Ehefrau und Muse. Mit ihr führt er ein beschauliches Leben in einer amerikanischen Kleinstadt, die ebenfalls Paterson heißt. Sieben Tage lang zeigt Regisseur Jim Jarmusch in seinem neuesten Film „Paterson“ das Leben des poetischen Busfahrers. Vom frühen Aufwachen kurz nach sechs Uhr bis hin zum Gute-Nacht-Bier in der Kneipe. Das ist an Handlungsarmut kaum zu überbieten, eine Dramaturgie ist nur rudimentär vorhanden. Das macht aber gar nichts: „Paterson“ ist ein wunderschöner Film, der trotz der fehlenden Dynamik keineswegs langatmig ist. Im Gegenteil: Es ist eine große Wohltat, dieses entschleunigte und so liebevoll gestaltete Werk von Jim Jarmusch zu schauen. Weiterlesen »

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18. November 2016

Heimat: “Ein Abend mit Paul Gärtner und dem Karlsruhe Kalender”

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Ein Kalender aus und für Karlsruhe!

Pink mischt sich mit Gold, erleuchtet die Nacht, dreht sich. Es war bereits zu später Stunde, als Fotograf Paul Gärtner das Riesenrad auf dem Messplatz in Karlsruhe entdeckte, seine Kamera zückte, abdrückte. “Dieses Foto ist nun eines von zwölf Motiven, die ich für meinen Karlsruhe Kalender ausgewählt habe”, erzählt mir der 26-Jährige. Ein Jahr ist es nun her, dass er seinen Job in einer Agentur kündigte, alles auf eine Karte setzte und sich mit seiner Fotografie selbstständig machte. “Der Kalender ist nun mein bislang größtes und wichtigtes Projekt”, sagt Paul. Gespannt ist er, wie es angenommen wird.

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Das ist Paul. Von ihm sind auch alle Bilder.

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13. November 2016

Heimat: “Ein Nachmittag bei Fabian Krüger von ,Get Lazy’

Das ist Fabian.

Bequeme Kleidung made in Germany

Fabian Krüger hat es sich gemütlich gemacht – Palmen stehen in seinem kleinen Container im Perfekt Futur, Baststühle dahinter und ein Wolkenhimmel blitzt mir bei meinem Besuch auf Bannern entgegen. Vor knapp einem Jahr ist der 29-Jährige im Kreativzentrum am Schlachthof eingezogen und steuert von dort aus die Produktion seines Labels „Get Lazy“. „Wir entwerfen bequeme Kleidung zum Abschalten“, erklärt er. Das heißt: Zum derzeitigen Sortiment gehören eine Bio-Jogginghose und ein Hoodie, dessen Kapuze von jedem Kunden individuell gestaltet werden kann. „Die Pullis sind made in Germany“, betont Fabian. Schneiderin Elke Burmeister kümmert sich in Passau mit Ahmet, einem Flüchtling aus Aleppo, um die Ausführung der Entwürfe. Weiterlesen »

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7. November 2016

Heimat: “Ein Nachmittag in der ,Kurbel'”

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Das sind Fabian und Sophie.

Preis-Regen für „ Die Kurbel“

Popcorn ploppt vor sich hin, vom Regen durchnässte Gäste huschen durch die Glastüren ins Foyer und Kinder bestaunen aufgeregt bunte Filmplakate. Samstagnachmittags herrscht in der „Kurbel“ in der Kaiserpassage munteres Treiben. Auch die beiden Geschäftsführer Sophie Burger und Fabian Eck sind von ihrem Kurztrip zu einer Preisverleihung nach Freiburg gerade zurück und schauen, dass im Kino alles nach Plan läuft.

„Unser Ausflug hat sich gelohnt“, sagt Sophie und strahlt. Der Grund für ihre Freude: Die Medien- und Filmgesellschaft (MFG) Baden-Württemberg hat den beiden jungen Geschäftsführern für ihr innovatives Kinoprogramm einen Sonderpreis verliehen. Es ist bereits der zweite Preis innerhalb weniger Wochen. Mitte Oktober bekamen sie von Monika Grütters, der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), einen Preis für ihr „herausragendes Jahresfilmprogramm 2015“.

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Hallo, ich bin Miriam

Stets bin ich auf der Reise: durch Karlsruhe, die Kultur und die Welt. Dabei begegnen mir immer wieder interessante Menschen, Bücher, Filme und anderer Krimskrams. Damit all diese Erfahrungen und Eindrücke nicht einsam in meinem Kopf schwirren, gibt es diesen Blog. Aus Grau wird Kunterbunt.

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